Moorbrände: Taktische Realität statt Flächenbrand-Routine
- FireToolBox

- 21. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Moorbrände sind keine klassischen Vegetationsbrände und genau darin liegt die Gefahr. Wer sie wie einen Vegetationsbrand behandelt, riskiert Fehleinschätzungen bei der Brandausdehnung, ein erhöhtes Unfallrisiko der Einsatzkräfte und ineffizientes Arbeiten.
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Moorbrände überwiegend in nördlichen Bereichen Deutschlands auftreten und wie zum Beispiel in Meppen zu einer enormen Belastung für Einsatzkräfte und Material geführt haben. In der Praxis zählen bei Moorbränden vor allem Erkundung, Eigensicherung und Durchhaltefähigkeit.
Moore brennen nicht an der Oberfläche, sondern dort, wo man sie kaum sieht: im Boden.
Was Einsatzkräfte vor Ort wirklich erwartet
Das Feuer breitet sich meist unsichtbar aus. Rauch und Flammen zeigen nur einen Teil des Brandherdes. In ausgetrocknetem Torf kann sich der Brand meterweit unter der Oberfläche ausbreiten und jederzeit wieder durchbrechen. Oberflächliches Ablöschen reicht nicht aus.
Der Untergrund ist ein Risiko für Mensch und Material. Die Tragfähigkeit wird häufig unterschätzt:
Einsatzkräfte können in ausgebrannte Hohlräume einbrechen
Fahrzeuge bleiben stecken oder sinken ein
Bewegungen abseits erkundeter Bereiche sind hochriskant
Zufahrten und Einsatzwege sind stark eingeschränkt. Moorflächen sind oft kaum befahrbar, alternative Wasserentnahmestellen fehlen oder liegen weit entfernt. Jede Bewegung im Gelände muss bewusst geplant werden.
Der Rauch ist nicht nur lästig, sondern gefährlich.
Moorbrände setzen große Mengen gespeicherter Atemgifte frei. Arbeiten im Rauch belasten die Einsatzkräfte massiv und müssen – wo immer möglich – vermieden werden.
Führung und Sicherheit: LACES konsequent anwenden
Gerade bei Moorbränden darf das LACES-Schema nicht nur auf dem Papier existieren und muss dieser besonderen Einsatzlage angepasst werden:
Lagebeobachter:
Eine ständige Beobachtung ist Pflicht. Brandverhalten kann sich ohne Vorwarnung
ändern – auch weit entfernt vom sichtbaren Brandherd.
Ankerpunkt:
Ankerpunkte können unbemerkt unterirdisch überlaufen werden. Eine regelmäßige Kontrolle ist zwingend erforderlich.
Kommunikation:
Klare, kurze Kommunikation ist entscheidend, um Lageänderungen sofort
weiterzugeben und schnell zu reagieren.
Evakuierungsroute:
Fluchtwege müssen tragfähig, raucharm und jederzeit nutzbar sein.
Sicherheitszone:
Die Sicherheitszone ist mit ausreichendem Abstand einzurichten und permanent
auf Rauch- und Hitzeeinwirkung zu kontrollieren.
Einsatztaktik aus der Praxis
Gründliche Erkundung vor jedem Vorgehen
Brandgrenzen verlaufen selten dort, wo Rauch aufsteigt. Die Nutzung von Temperatursonden ermöglicht eine Hitzedetektion zur Bestimmung des Brandverlaufes.
Löschen im Untergrund statt nur oberflächlich
Der Torfkörper muss tief durchfeuchtet werden – z. B. mit Tiefenlöschlanzen oder
Fognails.
Permanente Überwachung
Wärmebildkameras, Temperatursonden, Drohnen und wiederholte Kontrollgänge von Trupps sind unerlässlich, um neue Brandherde und Glutnester früh zu erkennen.
Randbereiche weit im „Grünbereich“ kontrollieren
Unterirdische Ausbreitung erfolgt oft außerhalb des sichtbaren Brandes.
Gräben gezielt anlegen
Wasser- oder Trennungsgräben erst nach genauer Erkundung des tatsächlichen Brandverlaufs einplanen – nicht „auf Verdacht“ arbeiten.
Logistik: Der Einsatz endet nicht nach ein paar Stunden
Vergangene Moorbrände haben gezeigt, dass die Einsatzlagen über Tage bearbeitet, und folgende Punkte schon in den ersten Einsatzstunden geplant werden müssen. Der frühzeitige Einsatz einer TEL oder eine Stabes ist unumgänglich.
stabile Löschwasserversorgung für mehrere Tausend Liter pro Minute
umfangreicher Atemschutz (z. B. FFP-3-Masken) erforderlich
Versorgung der Einsatzkräfte; auch im Gelände
Fazit
Moorbrände verlangen einen anderen Blick, ein anderes Tempo und eine konsequente Fokussierung auf Effizienz und Sicherheit. Wer diese Punkte unterschätzt, zahlt den Preis in Form von Rückzündungen, erschöpften Kräften oder gefährlichen Situationen.
Neben einer situationsbedingten Anpassung der Einsatztaktik, muss auch die Technik im Einsatzfall überdacht werden. Meist erreichen Großfahrzeuge nicht den Brandherd und der Transport von Ressourcen erfolgt mit Kleinfahrzeugen (ATV, etc.). Beregnungssysteme oder auch Bagger sind nicht überall verfügbar und benötigen eine längere Vorlaufzeit.
Praxisunterstützung: Die neue Moorbrand-Taschenkarte von FireToolBox
Für diese komplexe und nicht alltägliche Einsatzlage haben wir aufgrund einiger Nachfragen eine weitere Taschenkarten für unser bestehendes Taschenkarten-System Vegetationsbrand entwickelt. Gemeinsam mit weiteren neuen Taschenkarten wird diese ab Januar bei uns im Shop erhältlich sein.
Weitere Quellen:




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