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Das 30-30-30 Frühwarnsignal – aber keine Sicherheitsgarantie

  • Autorenbild: FireToolBox
    FireToolBox
  • vor 11 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Die 30-30-30-Regel hat sich als sinnvolle Orientierung in der Vegetationsbrandbekämpfung etabliert.Temperaturen über 30 °C, Luftfeuchtigkeit unter 30 % und Wind über 30 km/h in Böen – wenn diese drei Faktoren zusammentreffen, sprechen wir von hochkritischen Brandbedingungen.


Quelle KI-generiert | Die 30-30-30 Regel bildlich dargestellt
Quelle KI-generiert | Die 30-30-30 Regel bildlich dargestellt

Warum genau diese Werte?

> 30 °C Temperatur

Hohe Temperaturen führen zu einer starken Vorwärmung und Austrocknung der Vegetation. Der leichte Brennstoff wie Gras, Nadeln oder Laub reagiert extrem schnell auf Zündquellen.

< 30 % Luftfeuchtigkeit

Niedrige Luftfeuchte entzieht der Vegetation zusätzliche Restfeuchte. Das leichte Brennmaterial wird „zündwillig“, Spotfeuer entstehen leichter.

> 30 km/h Wind

Wind wirkt wie ein Brandbeschleuniger: Er führt Sauerstoff zu, treibt die Flammen in unverbrannte Vegetation, begünstigt Funkenflug und beschleunigt die Ausbreitungsgeschwindigkeit massiv.


Sind alle drei Parameter erfüllt, kann sich ein zunächst kleiner Flächenbrand innerhalb weniger Minuten zu einem großflächigen, dynamischen Einsatz entwickeln. Wie dies in der Realität aussieht, kann in einem Artikel auf waldwissen.net von Tobias Adam nachgelesen werden.


Doch was bedeutet das für deutsche Einsatzkräfte?

1. Frühzeitige Lageeinschätzung

Die 30-30-30-Regel hilft Führungskräften bereits auf Anfahrt bei einer Erstbeurteilung:

  • Sind ausreichend Ressourcen unterwegs?

  • Muss sofort nachalarmiert werden?

  • Wo erstelle ich den Bereitstellungsraum?

  • Ist ein defensives Vorgehen aufgrund der Brandintensität notwendig?


2. Sicherheit der Einsatzkräfte

Bei 30-30-30-Bedingungen gilt erhöhte Vorsicht aufgrund von:

  • einer unkontrollierten Brandausbreitung

  • unerwarteten Änderungen der Windzugrichtung

  • keine definierbare Kontrollschwelle

  • der Gefahr von Einschlüssen ohne das Arbeiten ab einem sicheren Ankerpunkt


3. Taktische Anpassungen

Bei Überschreiten der Schwellenwerte sollten Einsatzkräfte:

  • frühzeitig Kontrolllinen definieren und anlegen

  • auf die Einsatzfähigkeit der Mannschaft achten

  • das LACES-Schema sicher anwenden und dauerhaft reevaluieren

  • Frontalangriffe auf die windgetriebene Feuerfront zwingend unterbinden

 

Generell ist darauf zu achten, dass die 5 Grundsätze der Vegetationsbrandbekämpfung immer angewendet werden - zum Schutz der Einsatzkräfte.


Kritische Brände entstehen nicht erst bei 30 Grad

Besonders im Frühjahr zeigen sich regelmäßig dynamische Grasbrände bei Temperaturen von 10 bis 15 °C. Die 30-Grad-Marke ist weit entfernt – die Branddynamik jedoch nicht.


Entscheidend ist die Trockenphase

Mehrere Tage ohne Niederschlag, kombiniert mit Wind und Sonneneinstrahlung, reichen aus, um abgestorbenes Vorjahresgras extrem zündfähig zu machen. Diese feinen Brennstoffe reagieren sehr schnell auf atmosphärische Veränderungen.

Ein wesentlicher Faktor wird dabei oft unterschätzt: der Taupunkt.


Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist und Feuchtigkeit in Form von Tau auskondensiert. Wird dieser Wert nachts erreicht, lagert sich Feuchtigkeit auf der Vegetation ab. Feinbrennstoffe nehmen Wasser auf – die Entzündbarkeit sinkt zumindest kurzfristig.

Wird der Taupunkt jedoch über mehrere Nächte nicht erreicht, bleibt die Vegetation durchgehend trocken. Es findet keine nächtliche Feuchterückführung statt. Das Gras startet morgens nicht „durchnässt“, sondern weiterhin brandbereit in den Tag.


Schlussfolgerung für die Einsatzpraxis

Die 30-30-30-Regel ist ein wichtiges Frühwarnsignal – am besten denkt man an sie schon, bevor der Melder überhaupt geht. Sie hilft, ein Gefühl dafür zu bekommen, wann es richtig kritisch werden kann. Aber sie ist keine Entwarnung, nur weil einer der Werte nicht erreicht wird.


Entscheidend ist etwas anderes: Wie trocken ist der Brennstoff wirklich? Wenn ausreichend ausgetrocknetes Gras oder Laub bereitliegt, Wind das Feuer antreibt und nachts keine Feuchtigkeit durch Tau zurückkommt, dann entsteht eine gefährliche Mischung – ganz unabhängig davon, ob die 30 Grad erreicht wurden oder nicht. Bleibt die Vegetation auch über Nacht trocken, ist sie dauerhaft zündbereit.


Für unsere Einsatzkräfte heißt das ganz praktisch: nicht nur auf die heutige Wetter-App schauen, sondern die letzten Tage mitdenken. Hat es geregnet – oder eben nicht? War es dauerhaft trocken? Wurde es nachts überhaupt so kühl, dass sich Tau bilden konnte?

Genau diese Details entscheiden darüber, wie zündfähig die Vegetation wirklich ist. Altgras sollte dabei immer als ernstzunehmender Brandbeschleuniger betrachtet werden. Und wenn Wind weht, gilt ohnehin erhöhte Vorsicht – denn Wind macht aus einem kleinen Feuer schneller eine dynamische Lage, als man „Nachalarmierung“ sagen kann.



Begleitendes One Minute Wonder

Zu diesem Thema haben wir eine PDF-Datei beigefügt, die wir als One-Minute-Wonder erstellt haben.

Ein One Minute Wonder ist eine kurze, leicht verständliche und visuell unterstützte Darstellung, die in etwa einer Minute erfasst werden kann – ideal für Ausbildung, Übungsdienste oder den schnellen Wissensinput zwischendurch. Ausgedruckt und an stark frequentierten Stellen an der Wache platziert, dienen unsere OMW-Vorlagen als perfekte Wiederholung von Lehrstoffen zwischendurch.


Diese Unterlagen stellen wir kostenlos zur Verfügung, um eine effiziente und praxisnahe Ausbildung in den Feuerwehren zu unterstützen.



Weiterführendes Wissen:

 

 
 
 

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