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Aus der Praxis – für die Praxis: Erster Lehrgang „Vegetationsbrand | Praxistrainer“ erfolgreich abgeschlossen

  • Autorenbild: FireToolBox
    FireToolBox
  • 8. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Der Start der diesjährigen Waldbrandsaison hat erneut eindrucksvoll gezeigt, mit welchen Herausforderungen die Feuerwehren in Deutschland zunehmend konfrontiert werden. Große Vegetationsbrände und lang andauernde Einsatzlagen machen deutlich, dass die Anforderungen an Einsatzkräfte und Führungskräfte kontinuierlich steigen.


Aus zahlreichen Ausbildungen, Einsatzbegleitungen und Nachbesprechungen wissen wir, dass sich dabei immer wieder die gleichen Herausforderungen zeigen. Die geeignete persönliche Schutzausrüstung ist oft nicht vorhanden oder wird nicht getragen, das Verständnis für Feuerdynamik und taktische Zusammenhänge ist unterschiedlich ausgeprägt und persönliche sowie taktische Einsatzgrenzen werden nicht immer frühzeitig erkannt. Gerade diese Details entscheiden jedoch häufig über die Sicherheit der Einsatzkräfte und den Einsatzerfolg.


Hinzu kommt, dass größere Vegetationsbrandlagen die Einsatzleitungen zunehmend an ihre organisatorischen Grenzen bringen. Aus diesem Grund haben wir bereits in einem früheren Blogbeitrag das Konzept der FührungsUnterstützung Vegetationsbrand vorgestellt – ein speziell ausgebildetes Team, das Einsatzleitungen bei größeren und komplexen Vegetationsbränden mit Lagebeurteilung, Erkundung und taktischer Beratung unterstützt.


Viele Feuerwehren bereiten sich mit großem Engagement auf die Waldbrandsaison vor und üben einige Grundlagen. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass neben dem praktischen Vorgehen vor allem das Verständnis für das Warum gestärkt werden muss. Warum breitet sich ein Feuer in eine bestimmte Richtung aus? Weshalb wird eine Taktik gewählt und eine andere bewusst verworfen? Welche Auswirkungen haben Wind, Topografie und Vegetation auf die Einsatzentscheidung? Wer diese Zusammenhänge versteht, kann Einsatzlagen besser beurteilen und sicherere Entscheidungen treffen.


Vor diesem Hintergrund trat eine Gemeinde aus Norddeutschland an FireToolBox heran. Nach mehreren größeren Vegetationsbränden in den vergangenen Jahren war schnell klar, dass die bisherigen Ausbildungsangebote den steigenden Anforderungen nicht mehr vollständig gerecht werden. Gesucht wurde deshalb ein Konzept, das Einsatzkräfte nicht nur fachlich fortbildet, sondern gleichzeitig Praxistrainer hervorbringt, die das Wissen langfristig in den eigenen Reihen weitergeben können.


Gemeinsam entstand daraus der Pilotlehrgang „Vegetationsbrand | Praxistrainer“ – ein hybrides Ausbildungskonzept mit dem Ziel, regionales Fachwissen aufzubauen, dauerhaft zu verankern und eine nachhaltige Ausbildungsstruktur innerhalb der Feuerwehr zu schaffen.


Zwei Monate hybride Ausbildung

Über einen Zeitraum von rund zwei Monaten beschäftigten sich die Teilnehmenden intensiv mit den unterschiedlichen Facetten der Vegetationsbrandbekämpfung. Die theoretischen Inhalte wurden über E-Learning, digitale Ausbildungsabende und ergänzende Aufzeichnungen vermittelt. Dadurch konnten die Teilnehmenden die Inhalte flexibel erarbeiten und gleichzeitig in den gemeinsamen Online-Terminen Erfahrungen austauschen und Fragen diskutieren.

Auf dem Ausbildungsplan standen unter anderem die Themen:


  • Grundlagen der Vegetationsbrandbekämpfung

  • Sicherheit im Vegetationsbrand

  • Fahrzeugeinsatz im Vegetationsbrand

  • Drohnen und Moorbrände

  • Einfache taktische Waldbrandprognose

  • LACES in der Praxis

  • Einsatzstellenhygiene


Ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes ist die Flexibilität. Die Ausbildungsinhalte können regional angepasst und jederzeit um weitere Themen ergänzt werden. So entstehen keine Standardlehrgänge, sondern Fortbildungen, die zu den örtlichen Gegebenheiten, der vorhandenen Technik und den Anforderungen der jeweiligen Feuerwehr oder Kommune passen.


Praxis unter realistischen Bedingungen

Nach der Theorie folgte das zweitägige Praxistraining – und die Rahmenbedingungen hätten kaum realistischer sein können. Hohe Temperaturen und teilweise kräftiger Wind sorgten für waldbrandähnliche Bedingungen und machten deutlich, wie wichtig sichere Abläufe und auch Pausen sind. Der Fokus als Praxistrainer muss ganz klar immer auf dem Faktor Mensch liegen!


Im Mittelpunkt standen zunächst die Grundlagen der praktischen Vegetationsbrandbekämpfung. Dazu gehörten der sichere Umgang mit Handwerkzeugen, ein strukturiertes Schlauchmanagement sowie Fahrzeugtaktiken wie Pump & Roll und die Raupentechnik.


Am Realfeuer wurden anschließend die Arbeit mit Feuerpatsche und Löschrucksack sowie das taktische Zusammenspiel der einzelnen Trupps intensiv trainiert. Dabei ging es nicht darum, einzelne Handgriffe auswendig zu lernen, sondern deren taktischen Hintergrund zu verstehen und Entscheidungen an die jeweilige Einsatzlage anzupassen.


Taktik verstehen und vermitteln

Am zweiten Ausbildungstag standen verschiedene Einsatzübungen auf dem Programm. Hier konnten die Teilnehmenden das zuvor Erlernte unter realistischen Bedingungen anwenden und festigen.

Ergänzt wurde die praktische Ausbildung durch taktische Szenarien am Sandkasten. Gemeinsam wurden Einsatzlagen analysiert, verschiedene Lösungswege diskutiert und Entscheidungen begründet. Gerade dieser fachliche Austausch unter erfahrenen Einsatzkräften war für viele Teilnehmende ein wesentlicher Bestandteil des Lehrgangs.


Lehrprobe als Abschluss

Den Abschluss bildeten Lehrproben, in denen alle Teilnehmenden ihr Wissen erfolgreich an die Gruppe vermittelten.

Dabei zeigte sich, dass nicht nur die fachlichen Inhalte sicher beherrscht wurden, sondern auch die Fähigkeit vorhanden ist, diese verständlich, praxisnah und nachvollziehbar an andere Einsatzkräfte weiterzugeben. Genau das ist das Ziel eines Praxistrainers.


Wir gratulieren allen Absolventinnen und Absolventen herzlich zum erfolgreichen Abschluss des Pilotlehrgangs und wünschen ihnen viel Erfolg bei den anstehenden Ausbildungen in ihren Feuerwehren.


Wie geht es weiter?

Mit dem Lehrgang beginnt eigentlich erst die Arbeit, um das Erlernte zielgerichtet weiterzugeben.

Die Praxistrainer verfügen nun über ein gemeinsames Fundament und beherrschen die wesentlichen Grundlagen für eine qualitativ hochwertige Ausbildung. In den kommenden Monaten folgt die gemeinsame Arbeit in einer Arbeitsgruppe. Ziel ist es, ein einheitliches Ausbildungs- und Ausrüstungskonzept zu entwickeln, Erfahrungen aus den Feuerwehren zusammenzuführen und praxiserprobte Lösungen gemeinsam weiterzuentwickeln.

Gleichzeitig werden alle Praxistrainer regelmäßig durch FireToolBox fortgebildet. Neue Erkenntnisse aus Einsätzen, aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen sowie internationale Erfahrungen fließen kontinuierlich in das Ausbildungskonzept ein. Vegetationsbrände verändern sich, Taktiken entwickeln sich weiter und auch Einsatzmittel werden stetig angepasst. Dynamische Einsatzlagen verlangen deshalb eine ebenso dynamische Fortbildung.


Genau darin unterscheidet sich das Konzept von FireToolBox von einer klassischen Einmal-Ausbildung. Der Lehrgang ist der Einstieg in eine langfristige fachliche Begleitung. Durch E-Learning, Online-Fortbildungen, Präsenzveranstaltungen und gemeinsame Praxistage entsteht ein kontinuierlicher Wissenstransfer, der die Praxistrainer dauerhaft begleitet.


Der erfolgreiche Pilotlehrgang hat gezeigt, dass dieses Konzept funktioniert. Deshalb wird der Lehrgang „Vegetationsbrand | Praxistrainer“ künftig fester Bestandteil des FireToolBox-Ausbildungsangebots sein. Feuerwehren, Landkreise und Kommunen können den Lehrgang entweder als zentral organisierte FireToolBox-Ausbildung besuchen oder als individuell angepasste Inhouse-Fortbildung durchführen. So entstehen regionale Praxistrainer, die das Wissen dauerhaft in ihre Organisationen tragen und die Qualität der Ausbildung nachhaltig stärken.


Du hast Interesse an diesem Lehrgang? Dann schreib uns gern eine kurze Nachricht an info(at)firetoolbox.de


 


 
 
 

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