Wer liefert der Einsatzleitung die notwendigen Informationen bei einem Vegetationsbrand?

Bereits im Mai haben wir in unserem Blog eine Frage gestellt: Wer liefert der Einsatzleitung bei großen Vegetationsbränden eigentlich die Informationen, die für sichere und wirksame Entscheidungen notwendig sind?

Damals haben wir auf eine Lücke hingewiesen, die bei vielen Vegetationsbränden sichtbar wird. Während Einsatzkräfte am Brandort arbeiten, ist die Einsatzleitung zunehmend mit Führung, Koordination und Logistik beschäftigt. Somit fehlt häufig eine strukturierte Führungsunterstützung direkt im Brandgebiet. Eine Einheit, die Wetterentwicklungen beobachtet, Gelände bewertet, Gefahren erkennt, Informationen zusammenführt und daraus Empfehlungen ableitet.
Mit dem ersten Pilotlehrgang „Führungsunterstützung Vegetationsbrand“ wollten wir herausfinden, ob ein solches Konzept in der Praxis funktioniert.
Nach einem intensiven Ausbildungswochenende mit Teilnehmenden aus unterschiedlichen Bundesländern, lautet die Antwort: Ja.
Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Führungsunterstützung Vegetationsbrand einen wichtigen Beitrag leisten kann, um komplexe Einsatzlagen besser zu verstehen und Entscheidungen auf eine fundierte Informationsgrundlage zu stellen.
Viele Bausteine, die wir in den vergangenen Jahren entwickelt und vermittelt haben, finden hier ihren Platz und ergeben ein ganzheitliches System zur Unterstützung von Führungskräften bei komplexen Vegetationsbrandlagen. Von den Grundlagen der Vegetationsbrandbekämpfung über Praxistrainer- und Einheitsführungsausbildungen bis hin zu gesonderten Themen wie Gebäudeschutz, Feuerwetter und dynamaischer Lagedarstellung, verfolgen wir seit Jahren das Ziel, Wissen verständlich, nachvollziehbar und unmittelbar anwendbar zu vermitteln.
Dabei haben wir wichtige Erfahrungen aus unseren Ausbildungen, digitalen Stammtischen sowie dem Austausch mit nationalen und internationalen Partnern gesammelt.
Immer wieder ist deutlich geworden, dass eine sichere und effiziente Vegetationsbrandbekämpfung nicht von einzelnen Maßnahmen abhängt, sondern vom Zusammenspiel vieler Faktoren. Wetter, Topografie, Vegetation, Taktik, Sicherheit und Führung müssen gemeinsam betrachtet werden.
Dass dieser Ansatz im Pilotlehrgang nicht nur funktioniert hat, sondern von den Teilnehmenden als sinnvoll und notwendig bewertet wurde, macht uns stolz. Gleichzeitig sehen wir darin einen Auftrag, das Konzept gemeinsam mit den Teilnehmenden weiterzuentwickeln und an die Anforderungen zukünftiger Einsatzlagen anzupassen.
Informationen sammeln ist einfach – die richtigen Informationen zu sammeln nicht
Viele Feuerwehren verfügen heute über Kartenmaterial, Wetter-Apps, Drohnen oder digitale Führungsmittel. Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch nicht darin, möglichst viele Informationen zu beschaffen.
Die Herausforderung besteht darin, die Informationen zu erkennen und zu analysieren, welche für das aktuelle Feuergeschehen wirklich relevant sind.
Wie entwickelt sich der Wind in den nächsten Stunden?
Welche Geländestrukturen können die Brandausbreitung beeinflussen?
Wo entstehen potenzielle Gefahren für Einsatzkräfte?
Welche Bereiche müssen besonders beobachtet werden?
Und vor allem: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die laufende Taktik?
Genau diese Fragen standen im Mittelpunkt des Pilotlehrgangs.
Struktur schafft Orientierung
Der Freitag stand ganz im Zeichen eines systematischen Vorgehens.
Hierfür wurde der FüU-Kreislauf vorgestellt, der sich am bereits vorhandenen Führungskreislauf orientiert. Die Teilnehmenden arbeiteten sich Schritt für Schritt durch die einzelnen Phasen – vom Auftrag über die Lagefeststellung und Analyse bis hin zur Entwicklung von Empfehlungen und der fortlaufenden Aktualisierung des Lagebildes.
Schnell wurde deutlich, dass viele Informationen zwar vorhanden sind, jedoch oft nicht in einen Zusammenhang gebracht werden. Erst wenn Wetter, Topografie, Brennstoff und Einsatzverlauf gemeinsam betrachtet werden, entsteht ein belastbares Lagebild.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Interpretation von Meteogrammen und topografischen Karten. Dabei ist entscheidend, wie sich die Lage in den nächsten Stunden entwickeln wird.
Raus aus dem Lehrsaal, hinein in die Lage
Am Samstag wurde das Erlernte unmittelbar in mehreren Szenarien im Gelände angewendet.
Die Teilnehmenden mussten Wetterdaten erfassen, Geländeformen beurteilen, Gefahren erkennen und die Entwicklung eines Vegetationsbrandes bewerten.
Dabei wurden die Aufgaben bewusst von Szenario zu Szenario komplexer.
Besonders interessant war die Erkenntnis, dass verschiedene Teams trotz identischer Ausgangslage teilweise zu unterschiedlichen Einschätzungen kamen.
Genau hierin liegt ein wesentlicher Mehrwert der Ausbildung.
Nicht jede Lage besitzt nur eine richtige Lösung. Entscheidend ist vielmehr, Informationen nachvollziehbar zu bewerten und daraus begründete Empfehlungen abzuleiten. Die anschließenden Besprechungen mit der fiktiven Einsatzleitung führten daher häufig zu intensiven Diskussionen über Chancen, Risiken und taktische Möglichkeiten.
Das Motto lautete dabei immer wieder:
„Informationen einholen – nicht mutmaßen.“
Eine Aufgabe zwischen Fachberatung und Einsatzleitung
Eine weitere Erkenntnis des Wochenendes war die Rolle der Führungsunterstützung selbst.
Die Teilnehmenden beschrieben die FüU übereinstimmend als sinnvolle Ergänzung zwischen Einsatzstelle, Fachberatung und Einsatzleitung. Sie ersetzt keine dieser Funktionen, sondern verbindet sie miteinander.
Während die Einsatzleitung Entscheidungen treffen muss und Fachberater ihr Spezialwissen einbringen, sorgt die Führungsunterstützung dafür, dass aktuelle Informationen aus dem Einsatzraum strukturiert erhoben, bewertet und weitergegeben werden.
Gerade bei größeren und dynamischen Vegetationsbränden kann dies einen entscheidenden Beitrag zur Lageübersicht leisten.
Lernen von Erfahrungen
Der Sonntag stand im Zeichen des Erfahrungsaustausches.
Ein eindrucksvoller Erfahrungsbericht aus einem realen Vegetationsbrand zeigte, wie schnell sich Einsatzlagen verändern können und wie wichtig es ist, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Ergänzt wurde dies durch ein weiteres Planspiel am Sandkasten, bei dem die Teilnehmenden den vollständigen FüU-Kreislauf erneut anwenden konnten.
Dabei zeigte sich einmal mehr, dass moderne Vegetationsbrandbekämpfung nicht allein durch zusätzliche Fahrzeuge oder Ausrüstung verbessert wird. Fachwissen, Lageverständnis und die Fähigkeit zur Prognose werden künftig eine immer größere Rolle spielen.
Unser erstes Fazit
Der Pilotlehrgang hat gezeigt, dass das Konzept der Führungsunterstützung Vegetationsbrand funktioniert und einen realen Bedarf adressiert.
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren durchweg positiv. Besonders hervorgehoben wurden die Praxisnähe, die hohe Ausbildungsqualität sowie die Möglichkeit, unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen zusammenzubringen.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass wir erst am Anfang stehen. Einzelne Ausbildungsinhalte werden weiterentwickelt, Abläufe geschärft und zukünftige Lehrgänge um neue Erfahrungen ergänzt werden.
Für uns bleibt vor allem eine Erkenntnis:
Mit zunehmender Größe und Dynamik von Vegetationsbränden wird die Fähigkeit, Informationen zu sammeln, zu bewerten und daraus Prognosen abzuleiten, immer wichtiger.
Nicht jede Feuerwehr wird dafür eigene Spezialisten vorhalten können.
Umso wichtiger ist es, Wissen zu bündeln, Erfahrungen auszutauschen und Strukturen aufzubauen, die Führungskräfte in komplexen Lagen unterstützen.
Mit dem erfolgreichen Abschluss des Pilotlehrgangs stehen nun erste ausgebildete Kräfte aus verschiedenen Bundesländern bereit, die dieses Wissen in ihre Organisationen tragen und weiterentwickeln werden.
Oder anders formuliert:
Wer die Entwicklung eines Vegetationsbrandes versteht, kann bessere Entscheidungen treffen.
Genau darum ging es an diesem Wochenende.
Miteinander voneinander lernen.




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