Deutschlands gefährlichste Lücke bei Vegetationsbränden: Fehlende Führungsunterstützung
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Aktualisiert: vor 9 Minuten
Während Feuerwehren vielerorts noch immer den klassischen Löschangriff im Mittelpunkt der Vegetationsbrandbekämpfung stellen, zeigen die vergangenen Jahre - und insbesondere die Einsätze des diesjährigen Frühjahrs - deutlich, dass sich Vegetationsbrände zunehmend dynamischer entwickeln. Schnelle Wetterwechsel, Spotfeuer über große Distanzen und komplexe Einsatzräume erschweren die Lagebeurteilung und stellen Einsatzleitungen vor immer größere taktische Herausforderungen.

Quelle FireToolBox | Praktische Übungen für das Team Führungsunterstützung Vegetationsbrandbekämpfung
Trotzdem fehlt vielerorts noch immer genau das Element, das moderne Vegetationsbrandbekämpfung zwingend benötigt: strukturierte Führungsunterstützung direkt am Feuer.
Denn eine Einsatzleitung kann nur so gut entscheiden, wie die Informationen sind, die sie erhält.
Und genau hier liegt aktuell eine der größten taktischen Lücken in der deutschen Vegetationsbrandbekämpfung.
Einsatzleitung und Fachberater sehen das Feuer nicht mehr selbst
Mit zunehmender Einsatzgröße entfernt sich die Einsatzleitung zwangsläufig vom eigentlichen Geschehen. Lagekarten, Funkmeldungen und vereinzelte Rückmeldungen aus Einsatzabschnitten ersetzen häufig das direkte Lagebild.
Gleichzeitig sind Vegetationsbrände hochdynamische Einsatzlagen: Windrichtungen ändern sich, Feuer springt über weite Distanzen, Flanken entwickeln sich unbemerkt weiter und topografische Gegebenheiten beeinflussen die Brandausbreitung massiv.
Gerade in diesen Momenten entscheidet nicht mehr allein Löschwasser über den Einsatzerfolg, sondern die Fähigkeit, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und richtig zu bewerten.
Hier kommt der Fachberater Vegetationsbrand ins Spiel. Fachberaterinnen oder Fachberater der Feuerwehr sind laut Definition Personen mit besonderen Fähigkeiten und Kenntnissen, die zur Beratung und Unterstützung der Feuerwehr (insbesondere der Einsatzleitung) in die Feuerwehr aufgenommen werden.
Im Bereich Vegetationsbrandbekämpfung unterstützen sie unter anderem bei der Bewertung des Brandverhaltens, der Analyse von Wetter und Topografie, der Prognose möglicher Brandausbreitungen sowie bei taktischen Entscheidungen.
Doch auch der beste Fachberater hat ein grundlegendes Problem: Er ist an die Einsatzleitung gebunden. Dort muss er beraten, bewerten und Entscheidungen unterstützen, benötigt dafür jedoch aktuelle Informationen direkt aus dem Einsatzraum:
Feuerintensität,
Windentwicklungen,
Spotfeuer,
Brennstoffwechsel,
Zugänglichkeiten,
Wasserentnahmestellen,
potenzielle Gefahren für Einsatzkräfte?
Wer ist für die verlässliche Informationsbeschaffung zustädig?
Die Antwort lautet vielerorts noch immer: „Irgendjemand im Abschnitt.“
Für eine moderne Vegetationsbrandbekämpfung reicht das längst nicht mehr aus.
Portugal zeigt längst, wie moderne Führungsunterstützung funktioniert
Im Rahmen unserer letzten Fortbildung in Vila Real konnte das FireToolBox-Ausbilderteam die Arbeitsweise spezialisierter Erkundungsteams bei Vegetationsbränden intensiv kennenlernen.
Dort arbeiten kleine, hochmobile ERAS-Teams (Equipas de Reconhecimento e Avaliação da Situação) unmittelbar im Einsatzraum und liefern der Einsatzleitung fortlaufend:
aktuelle Lagebilder,
Wetterdaten,
Einschätzungen zum Brandverhalten,
Prognosen zur Feuerentwicklung,
sowie taktische Empfehlungen.
Diese Teams sind keine klassischen Löschkräfte. Sie sind die Augen und Ohren der Einsatzleitung.
Und genau diese Fähigkeit fehlt in Deutschland bislang nahezu flächendeckend.
FireToolBox bringt erstmals Teams für die Führungsunterstützung Vegetationsbrandbekämpfung nach Deutschland
Mit der Führungsunterstützung Vegetationsbrandbekämpfung (FüU VBB) etabliert FireToolBox als erste Ausbildungsinstitution in Deutschland ein spezialisiertes Konzept zur taktischen Führungsunterstützung bei Vegetationsbränden.
Die FüU VBB ist ein spezialisiertes Team, bestehend aus bis zu 4 Einsatzkräften. Deren Aufgabe ist es, der Einsatzleitung die Informationen zu liefern, die für sichere und wirksame Entscheidungen erforderlich sind:
1. Brennstoff, Wetter und Topografie verstehen
Vegetationsbrände folgen physikalischen Regeln. Wer sie nicht versteht, wird Entwicklungen zu spät erkennen.
Das Team muss folgende Faktoren bewertet:
Vegetationsarten,
Brennstoffkontinuitäten,
Windentwicklungen,
Wetterprognosen,
Hanglagen,
sowie potenzielle Feuerentwicklungen.
2. Erkundung direkt am Einsatzort
Die Teams arbeiten unmittelbar am Brandherd und erledigen dabei folgende Aufgaben:
die Geländeerkundung,
die Erkundung von Zugangsmöglichkeiten,
die Beurteilung von Wasserentnahmestellen,
der Datendokumentation,
die Ermittlung der tatsächlichen Brandausdehnung,
die Erstellung von Brandprognosen,
die Ermittlung der tatsächlichen Brandausdehnung,
und der fortlaufenden Lagebeobachtung.
3. Taktische Führungsunterstützung
Die gewonnenen Erkenntnisse werden bewertet und unmittelbar an die Einsatzleitung übermittelt. Dabei geht es unter anderem um:
Gefahrenbeurteilungen,
taktische Optionen,
sinnvolle Kräfte- Mittelansätze,
Schutz von Objekten,
Rückzugsoptionen,
oder notwendige Schwerpunktbildungen.
Moderne Vegetationsbrandbekämpfung braucht mehr als Löschfahrzeuge
Deutschland investiert zunehmend in Fahrzeuge, Pumpen und Ausrüstung für Vegetationsbrände. Dies ist aber nur ein Teil der Lösung und FireToolBox arbeitet mit dem Grundsatz:
Taktik - Technik - Training
Die bedarfsgerecht zu beschaffende Technik (Fahrzeuge, Ausrüstung, persönliche Schutzausrüstung) ergibt sich aus der notwendigen Taktik.
Im ersten Schritt muss das im Einsatzgebiet – gegebenenfalls auch überregional – vorherrschende Gefährdungs- beziehungsweise Problemfeld analysiert werden. Liegt der Schwerpunkt in der Wald- oder Flächenbrandbekämpfung? Bestehen besondere Problembereiche (WUI-Bereiche, munitionsbelastete Gebiete, Moore, Kalamitätsflächen etc.) oder haben gibt es topographische Besonderheiten wie Hanglagen oder unwegsames Gelände?
Aus dieser Analyse ergibt sich eine bedarfsgerechte Taktik, die durch eine umfassende Ausbildung und regelmäßiges Training der Einsatzkräfte umgesetzt werden muss.
FireToolBox bietet den ersten Pilotlehrgang für die Führungsunterstützung Vegetationsbrandbekämpfung an!
Wir müssen zeitnah handeln, um dieses Team als sinnvolle und notwendige Ergänzung zu etablieren.
Mit den gewonnenen Erkenntnissen der Fortbildungen in Portugal, einer Analyse der Notwendigkeit im deutschsprachigen Raum und nach Rücksprache mit Waldbrandexperten haben wir ein Pilotlehrgang entwickelt, welcher im September angeboten wird.
Im Vordergrund steht die Vermittlung des notwendigen Wissens und der anschließenden praktischen Anwendung im Gelände. Unterschiedliche Einsatzszenarien werden das Wochenende über abgearbeitet und ausgewertet.
Weitere Informationen können auf unserer Homepage (bitte klicken) abgerufen werden.










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